Ein doch ziemlich doppeldeutiger Name, wenn man ihn aus dem heutigen Blickwinkel betrachtet 😉
Die sehr gut erhaltene Neonreklame dürfte noch aus den Anfangsjahren des ehemaligen Geschäfts stammen. Eduard Angst gründete das Geschäft 1959/60 am Stadtrand von Freiburg. Zigarren waren damals im wahrsten Sinne des Wortes noch in aller Munde und mitunter ein Statussymbol. Angst verkaufte Tabak- und Schreibwaren und nur wenige Häuser weiter gab es sogar noch einen weiteren Zigarrenverkauf. Baden war bekannt für den Tabakanbau und in den Ortschaften um Freiburg war das lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftszweig bzw. Nebenerwerb in der Landwirtschaft.
Anfang der 80er-Jahre gab Eduard Angst das Geschäft weiter, das bis vor wenigen Jahren unter dem Namen Kunterbunt neben dem bisherigen Sortiment auch Geschenke und Spielzeug anbot.
Fotografiert im Dezember 2025. Quellen:
Adressbuch Freiburg, Google Maps
Hier haben die letzten 73 Jahre so manche Spuren hinterlassen mit mehreren überlagernden Werbungen und Aufschriften.
Im unteren Bereich befindet sich aus drei verschiedenen Zeitabschnitten die Aufschrift „Hotel Restaurant zur Post“. Das Hotel-Restaurant eröffnete im Jahr 1952 und wurde zunächst von der Familie Nahrings betrieben, was man ganz unten in rötlicher Schrift noch lesen kann. Diese wurde später durch den nachträglich geschaffenen Eingang unterbrochen. Nach mehreren Betreiberwechseln dürfte das Unternehmen etwa Anfang der 2000er-Jahre geschlossen haben.
Im oberen Teil befand sich zunächst eine Werbung der Marke Andreas-Edel-Pils mit einem Adler in einem Kreis (siehe unten unter Geschichtsverein). Das Bier wurde von einem benachbarten Getränkehandel bezogen, vermutlich in den 70er-Jahren wurde sie durch eine Werbung für Wicküler Bier mit drei Musketieren übermalt unter der „Wicküler – Männer wie wir“ stand (siehe unter Foto 2008). Über die Jahre trat die ursprüngliche Werbung trotz Übermalung wieder hervor und verschmolz mit dem inzwischen verblassten Nachfolger.
Das in den 1880er-Jahren erbaute Haus wurde 2003 unter Denkmalschutz gestellt, steht seit vielen Jahren leer und wird gegenwärtig zum Kauf angeboten.
WEKUmat ist ein hessischer Küchenhersteller, der laut seiner Webseite im Jahr 1964 gegründet wurde und seinen Sitz ca. 50 km südöstlich von Offenbach hat. Ganz so alt dürfte die Werbung für Einbauküchen aber nicht sein, vermutlich stammt sie aus den 80er- oder 90er-Jahren. Ein Teil der Werbung wird leider durch den später erfolgten Anbau verdeckt, dennoch ist sie für ihr Alter noch recht gut erhalten.
Der rote Balken rechts könnte Teil eines Richtungspfeils gewesen sein. Bisher ließen sich aber keine Anhaltspunkte dafür finden, dass sich in der Nähe ein Geschäft oder Vertriebspartner des Unternehmens befand. Da die Gegend in den letzten Jahren ihr Gesicht durch viele Neubauten stark verändert hat, ist das aber nicht auszuschließen.
Vielen Dank an Bianca G. für das schöne Foto! Fotografiert im September 2025.
Das nennt man wohl Glück im Unglück. Der Halt in Beauvais diente nur zum Mittagessen, und obwohl das Restaurant in einem bekannten Bewertungsportal auffällig gute Rezensionen hatte, war das Essen leider ein Reinfall. Jedenfalls wäre ohne den enttäuschenden Restaurantbesuch die wirklich tolle Opel-Werbung unentdeckt geblieben.
Westseite
GM / General Motors
Opel
Solch eine alte Opel-Werbung habe ich bisher im Heimatland des Autoherstellers und selbst in anderen Themen-Blogs noch nirgendwo entdeckt. Dabei handelt es sich um ein ovales Logo („Opel-Ei“), dessen linke Hälfte einen weißen und dessen rechte Hälfte einen gelben Hintergrund hatte. Die Version mit der Doppelumrandung wurde 1950 eingeführt, während es mit einem einfachen Rand schon seit 1937 üblich war. Das Logo kennzeichnete Werkstätten und erhielt 1970 ein anderes Aussehen. Links auf der Wand befindet sich das von General-Motors (GM hatte Opel 1929 übernommen) zwischen 1938 und 1964 verwendete Logo, heute wird es teilweise durch ein Werbeschild verdeckt. Auf einer anderen Gebäudeseite ist es aber noch zu sehen. Das grenzt den Entstehungszeitpunkt der Werbung insgesamt auf 1950-1964 ein.
Ostseite
Die Werkstatt lag damals an einer Nationalstraße und warb mit ihrem Service an zwei Hauswänden, sodass der stadtein- und -auswärts fahrende Verkehr aufmerksam werden konnte. Beauvais liegt günstig für den Verkehr aus den Benelux-Staaten nach Paris sowie von Süddeutschland in die Normandie. Neben PKW stellte Opel bis in die 70er-Jahre auch Nutzfahrzeuge bzw. LKW her. Die Ursprünge der Werkstatt ließen sich leider nicht ergründen, aber sie entstand wohl frühestens in den 1940er-Jahren und schloss etwa 1995. Die Wände wurden zwar inzwischen überstrichen, die Logos kamen mit der Zeit jedoch wieder zum Vorschein. Vermutlich wurden sie auch lange durch Werbetafeln überdeckt und damit konserviert.
An längst vergangene und erfolgreiche Zeiten erinnert der durchaus hochwertig gemalte Einblick in die Werkstatt mit einem Jaguar XJ, einem Peugeot 205 und einem Renault Super 5 Cabrio. Vermutlich arbeitete man spätestens seit den 80er-Jahren auch an anderen Marken.
Diese schöne Werbewand kann man im niederländischen Valkenburg bestaunen. Sie besteht heute aus sieben Kacheln mit Werbung, die vermutlich aus den 1920er- oder 30er-Jahren stammen. Darunter scheint aber ältere Werbung durch, anscheinend wurde die Wand immer wieder übermalt. Leider lässt sich vieles nicht mehr entziffern, aber beworben wird u. a. die Philips-Lampe, eine Autowerkstatt in Maastricht und die Batavier Schifffahrtslinie.
In Valkenburg ist die Wand Kult, man hat sich des Erbes angenommen und die Kacheln an anderen Gebäuden im Ort originalgetreu nachgemalt. Leider gibt es aber selbst auf der offiziellen Webseite des Projekts kaum Hintergrundinformationen zur Werbewand.
Es gibt doch immer noch Überraschungen, wenn man durch Düsseldorf läuft, wie diese alte Neonreklame aus den 1950er-Jahren. Etwas versteckt liegend, zierte sie wohl mal eine Kneipe. Die drei Biermarken wurden einst von der Hirschbrauerei produziert, die bis etwa Ende der 1960er-Jahre eine der großen Düsseldorfer Brauereien war. Aber auch von ihr ist nichts geblieben und selbst ältere Düsseldorfer können sich kaum noch an sie und ihre Marken erinnern. Das 1897 gegründete Unternehmen wechselte ab den 70er-Jahren mehrfach den Besitzer und stellte dann den eigenen Braubetrieb ein. Es bestand aber noch bis zur Verschmelzung auf die Muttergesellschaft im Jahr 2005.
Düssel-Alt (Motto: Das Bier mit dem Radschläger) war eine traditionsreiche Marke, die wohl schon in den 1920ern existierte und eines der meist getrunkenen Altbiere der Region gewesen sein soll. Nach Übernahme der Hirschbrauerei und Schließung des Standorts in den 70er-Jahren wurde das Bier aber weiterproduziert, zuletzt von der Monheimer Peters Brauerei bis zu deren Schließung 2004. Bewusst wahrgenommen habe ich die Marke jedoch nie. Bei der Schriftart handelt es sich um die Frakturschrift, bei der der Buchstabe „s“ einem „f“ ähnelt, was die Hirschbrauerei aber in den 60ern modernisierte. Später fiel der Bindestrich weg. Im jetzt leeren Wappen auf der Stadtsilhouette befand sich einst das Zeichen der Einkaufskooperation „Braugemeinschaft Bier“ mit einem Anker, Ähren und Hopfen. Düssel Alt wurde auch im legendären Ratinger Hof ausgeschenkt, wie z.B. ein Foto von 1978 bei Wikimedia belegt.
Edelkristall klingt schon wie aus einer anderen Zeit und deutet auf ein Weizenbier hin.
West-Pils rundete das Angebot ab und sprach möglicherweise eine neue Zielgruppe an, denen Altbier zu herb war. Die Schrift wirkt moderner als bei den anderen Marken und wurde vielleicht erst später hinzugefügt.
Fotografiert im Mai 2024. Quellen: Handelsregister, the-duesseldorfer.de (gibt es nicht mehr), Rheinische Post, Altbierwelt, Welt
Eine Bäckerei aus Kassel (bis 1926 Cassel geschrieben) im gut 200 km entfernten Wuppertal klingt erst einmal überraschend. Vermutlich ging es aber um das Backen von Brot Kasseler Art, das seinen Weg vom Ursprungsort in Kassel mit der Zeit auch ins Rheinland fand. Vielleicht kam Julius Range aber aus Kassel, wo es damals Einwohner des Namens gab, während der Name in Wuppertal vorher nicht bekannt war.
Die Bäckerei wurde kurz vor 1899 gegründet, zunächst in der Beckmannshoffstraße 4 in Barmen, damals noch als Casseler Brod-Bäckerei. Spätestens 1903 zog das Geschäft in die Westkotter Straße 112, das Gebäude erwarb Julius Range auch und änderte Brod zu Brot. Etwa 1912 verschwanden der Inhaber und sein Geschäft, auch das Haus wechselte den Besitzer. Etwa 1916 kamen beide zurück nach Barmen und quartierten sich in der Nähe des alten Standorts ein, dort verblieb der Laden bis zur Schließung. Mitte der 20er-Jahre erwarb Range das Haus. Er muss ein erfolgreicher und angesehener Geschäftsmann gewesen sein, 1932 wurde er in den Aufsichtsrat der Barmer Kreditbank berufen. Um 1938 verstarb Julius Range, worauf seine Witwe das Geschäft weiterführte.
Seine Söhne hatten auch das Bäckerhandwerk erlernt. Von ihnen trat Erich ins Geschäft ein und übernahm es Anfang der 40er-Jahre. Walter machte sich mit einer eigenen Bäckerei (später Range & Fahlbusch) in der Großen Flurstraße selbstständig. Ein weiteres Familienmitglied, Emmy Range, betrieb in der Wilkhausstraße ebenfalls eine Bäckerei. Erich wurde später zur Wehrmacht eingezogen und fiel im Oktober 1944 bei einem Fliegerangriff auf Münster. Seine Frau Elfriede führte das nun als Spezialbäckerei für Waldecker und Eifeler Brot arbeitende Geschäft fort. Kurz vor Kriegsende, im März 1945, wurde ein Auto der Bäckerei gestohlen.
Nach etwa 70 Jahren des Bestehens gab man die Bäckerei Ende der 60er-Jahre auf, stattdessen zog die Schreibwarenhandlung Hockebrink ein. Ab Mitte der 70er-Jahre scheint der Laden nicht mehr vermietet gewesen zu sein und auch Emmy führte ihr Geschäft nicht mehr. Range & Fahlbusch gab es da zwar noch, ist heute aber auch nicht mehr aktiv.
Fotografiert im Dezember 2022. Quellen: Adressbuch Barmen, Adressbuch Wuppertal, Neueste Nachrichten, Solinger Tagblatt, BArch, B 563-2 KARTEI/G-A 733/1136
Frankreich ist ein Mekka für alte Fassadenwerbung. Erst in den 70er-Jahren wurden die Nationalstraßen zunehmend durch Autobahnen abgelöst, bis dahin fuhr man oft über die Dörfer. Dort haben sich viele Werbeflächen aus den 50er- und 60er-Jahren erhalten und in Frankreich gibt es durchaus Interesse, sie zu bewahren bzw. sogar zu renovieren. Die Werbung befindet sich in einem kleinen Straßendorf an der ehemaligen Route Nationale 71 nahe Dijon und ist in sehr gutem Zustand.
Auf der Werbung steht:
Super lubrifiant – Stelcyl – pour hauts de cylindres (Super Schmiermittel – Stelcyl – für Zylinderköpfe)
Huiles Renault (Renault Öle)
Les meilleures (Die Besten)
Stelcyl war eine wohl nur kurz von Renault genutzte Marke für Öle. Sie ist, wie die auch unter anderen Bezeichnungen angebotenen Öle des Autoherstellers, längst vom Markt verschwunden. Renault hatte schon 1911 begonnen, in einem damals noch sehr diversifizierten Markt Motoröle zu produzieren und konnte sie über das eigene Händlernetz anbieten. Leider findet man über das Thema nur sehr wenige Informationen, die Seite Losange bietet einen interessanten Bericht.
In der Düsseldorfer Altstadt kann man ein etwas überraschendes Werk bestaunen. Der Text lautet: „Dies Märchen wird wohl niemals wahr. Das Leben lehrt sei klug und spar“.
Eine zugegeben etwas derbe Darstellung, die man oft von mittelalterlichen Gebäuden kennt, wo der Bevölkerung mit Figuren oder Sinnsprüchen der Spiegel vorgehalten wurde. In diesem Fall handelt es sich bei dem Kunstwerk aber interessanterweise um eine Art Werbung aus den 1950er-Jahren. Das Haus steht in der Altstadt und wurde etwa Mitte der 50er-Jahre gebaut, nachdem der Vorgängerbau im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Spätestens 1958 zog eine Filiale der Stadtsparkasse Düsseldorf ein, der das Haus auch gehörte, und in diesem Zusammenhang dürfte die Abbildung zu verstehen sein. Man soll sein Geld sparen und (natürlich am besten) zur Sparkasse tragen. Das in Stein gehauene Werk ist in der Außenwand eingelassen, es enthält keinen Hinweis auf den Künstler. Die männliche Figur trägt eine kurze verzierte Hose und ist barfuß.
Für die durchaus prüden und sittsamen 50er-Jahre überrascht die doch sehr lockere Darstellung. Auch für eine Bank bzw. Sparkasse, bei der es damals deutlich ernsthafter zuging als heute, wirkt das sehr ungewohnt. Über irgendwelche Proteste usw. war in zeitgenössischen Medien aber nichts zu finden. Die Düsseldorfer Altstadt war schon damals eine Feierzone, in der die Dinge vielleicht auch nicht zu ernst genommen wurden. Und mit einem Augenzwinkern betrachtet, gibt es vielleicht eine Verbindung zum Karneval. Die Darstellung ist nur sichtbar in Gehrichtung zum Düsseldorfer Rathaus, möglicherweise war es im übertragenen Sinn auch eine Mahnung an die Stadtoberen.
Bei dem genannten Märchen dürfte es sich um „Tischlein deck dich“ handeln, bei dem ein Goldesel auf Wunsch Goldmünzen ausspuckt. Solche sogenannten Dukaten- bzw. Geldscheißer sind schon seit dem Mittelalter in zahllosen Darstellungen bekannt. Die Sparkasse schloss die Filiale 2019 nach über 60 Jahren, heute befindet sich in den Räumen ein Restaurant, womit der Zusammenhang leider verloren gegangen ist.
In der Innenstadt von Neuss hat sich eine hübsche Neonreklame aus den 1960er-Jahren erhalten. Sie stammt aus einer Zeit, in der es noch keine riesigen Möbelhäuser bzw. große Ketten am Stadtrand auf der grünen Wiese gab, damals ging man zum lokalen Möbelhändler in die Stadt.
Gründer des Möbelhauses war Franz Krückels, der in Neuss ab Mai 1929 erste Zeitungsannoncen schaltete, um ein „echt eichenes Schlafzimmer“ und eine Küche zu verkaufen. Das Geschäft scheint in sehr kleinem Umfang in einer Erdgeschosswohnung auf der Königstraße begonnen zu haben. Für den Einlass musste man zweimal klingeln. Damals war er erst 21 Jahre alt, die gleichen Anzeigen erschienen unter dem Namen Krückels aber schon seit 1927 bis weit in 1929 mit Verkauf in der Volksgartenstraße in Mönchengladbach. Im Dezember 1929 zog das Geschäft von Franz Krückels zum Hermannsplatz, wobei das Angebot zunehmend wuchs und weiterhin intensiv inseriert wurde. Nach dem Krieg zog das Geschäft in die Erftstraße und war in den folgenden Jahren sehr erfolgreich, sodass es um weitere Laden- und Lagerflächen erweitert wurde. 1983 übernahmen die Kinder das Möbelhaus, bis es 1989 geschlossen wurde.
Über dem Schriftzug des Möbelhauses befindet sich eine große Reklame für den Deutschen Möbel-Großeinkauf (DMG). Die 1960 gegründete Gesellschaft dürfte den Zweck gehabt haben, ihren Partnerhändlern im Sinne einer Einkaufsgenossenschaft günstige Preise zu sichern. Die Zusammenarbeit mit der DMG scheint damals ein Verkaufsargument gewesen zu sein, heute ist sie weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden.
Vielen Dank an Bianca G. für das schöne Foto! Fotografiert im August 2024.
Quellen: Neusser Zeitung, Rheinisches Volksblatt, Reichsanzeiger, Handelsregister, Firmengeschichte, Landesarchiv NRW NW 1037-A/REG Nr. 14128.
Hier hat eine schöne Firmeninschrift über einem längst geschlossenen Geschäft die Zeiten überdauert. „Heinrich Herzogenrath“ war ein inhabergeführtes Haushaltswarengeschäft, das in Schaufenberg von Fahrrädern über Haus- und Küchengeräte, Nähmaschinen, Waschmaschinen, Radios, Kinderwagen, Öfen usw. eine sehr breite Palette anbot. Darüber hinaus gab es eine Reparaturwerkstatt und Ersatzteile für Zündapp-Motorräder. Die Ursprünge des Geschäfts ließen sich noch nicht völlig ergründen, die Häuser in der Straße wurden aber erst um das Jahr 1921 erbaut. Kurz zuvor hatte in direkter Nachbarschaft die Zeche Sophia-Jacoba eröffnet und brauchte für die vielen Bergleute Wohnungen sowie Geschäfte zur Versorgung der Bewohner. Vermutlich kam Heinrich Herzogenrath auch erst zu diesem Zeitpunkt nach Hückelhoven.
Zur selben Zeit gab es in Köln einen Namensvetter, der mit Nähmaschinen und Motorrädern handelte. Ab Mitte der 20er-Jahre war er unter dem Namen „Harry Herzogenrath“ ein erfolgreicher Motorrad-Rennfahrer, der u. a. Deutscher Meister im damals populären Motorrad-Bahnfahren war (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Speedway). Dabei raste man mit Motorrädern über Radrennbahnen, was mit einem sehr hohen Verletzungsrisiko verbunden war. Wahrscheinlich sind beide Personen nicht identisch.
Der Hückelhovener Herzogenrath verstarb etwa in den 1950er-Jahren, worauf seine Frau den Laden weiterführte. Spätestens 1970 hatte man den Standort in der Bergarbeitersiedlung verlassen und war ins Stadtzentrum von Hückelhoven umgezogen. In den 80er-Jahren übernahm die Tochter das Geschäft, bis es 1992 nach etwa 70 Jahren geschlossen wurde.
Auf dem mindestens 55 Jahre alten Firmenschild vom ersten Standort gibt es mehrere Schichten, wobei der in Fraktur-Schrift gehaltene Name oben liegt. Darunter sind ältere Buchstaben zu erahnen, aber leider nicht mehr zu entziffern, jedoch ist teilweise noch das angebotene Warensortiment lesbar.
Vielen Dank an Dave W. für den Hinweis! Fotografiert im April 2025.
Quellen: Adressbuch Kreis Erkelenz, Heinsberger Volkszeitung, Handelsregister.
Ein zunächst etwas verwirrender Fall, denn die jahrzehntelang parallel existierenden Wuppertaler Unternehmen Peter Holzrichter & Co. und Peter Holzrichter GmbH haben praktisch nichts miteinander zu tun.
Die auch heute noch bestehende Peter Holzrichter GmbH wurde in ihren Grundzügen 1817 gegründet und handelte zunächst mit Bergwerks- und Hüttenerzeugnissen sowie daraus hergestellten Waren wie z. B. Metalle, Rohre usw. 1927 schied mit Peter Fritz Holzrichter einer der Geschäftsführer sowie mit Heinrich Becker ein Prokurist aus. Gleichzeitig gründeten sie die Peter Holzrichter & Co., in der sie beide die Geschäftsführung übernahmen. Die neue Gesellschaft handelte mit Kohlen, Briketts und später auch Heizöl.
Nun gab es in Wuppertal zwei Unternehmen mit fast demselben Namen, was zu Problemen bzw. Verwechslungen geführt haben dürfte. Als die GmbH 1937 wegen einer Strafe in die Zeitungen geriet, musste kurz danach klargestellt werden, dass sie mit der Co. nichts zu tun hat und in keiner Beziehung zu ihr stand.
1937 gründeten Peter Fritz Holzrichter und Heinrich Becker mit anderen Gesellschaften zusätzlich das Unternehmen Hüsecken, Holzrichter & Co., Kaltwalzwerk und Lackiererei KG, das unter dem Namen Hühoco auch heute noch besteht. Die beiden Gründer der Peter Holzrichter & Co. waren spätestens Anfang der 1940er-Jahre ausgeschieden, in den 1950er-Jahren übernahm Wilhelm Achenbach die Leitung, der schon andere Unternehmen bzw. die Zeche Petrus Segen leitete. 1972 wurde das Unternehmen auf die Muttergesellschaft übertragen.
Fotografiert im Dezember 2022. Quellen: Adressbuch Wuppertal, Bergisch-Märkische Zeitung, Hamburger Fremdenblatt, Lenneper Kreisblatt, Reichsanzeiger, Handelsregister.
Hier haben zwei schöne Ladenschilder aus Glas die Zeit überdauert, sie atmen intensiv den Stil der 1950er-Jahre aus. Während das Schild der Leihbücherei betont sachlich ist, ist das Schild der Drogerie aufwändig gestaltet und wirbt für Klosterfrau Melissengeist sowie Klosterfrau Aktiv-Puder. Hier hat jemand gut auf die Ladenschilder Acht gegeben und sie trotz mehrerer Sprünge sorgsam seit bald 70 Jahren bewahrt. Auch das findet man heutzutage nur noch sehr selten. Oft wurden die aufwändigen und teuren Aufdrucke nach Inhaberwechsel entfernt bzw. durch günstige Alternativen ersetzt, sofern sie im Laufe der Zeit nicht zerbrachen oder die Läden dem Zeitgeschmack angepasst wurden.
Schon seit den 1930er-Jahren befand sich in dem Gebäude eine Drogerie. Hans Bach übernahm sie etwa 1958 und verkaufte sie Anfang der 1970er-Jahre weiter. Heute befindet sich dort ein Modegeschäft.
Die Leihbuchhandlung gründete Wolfgang Lauke etwa 1955. Leihbuchhandlungen waren damals nicht neu und deckten überwiegend den Bedarf an Unterhaltungsliteratur gegen eine Leihgebühr. Im Unterschied dazu sahen öffentliche Bibliotheken bei sich eher einen Bildungsauftrag und verliehen die Bestände oft kostenlos. Die Leihbuchhandlung bestand bis Ende der 50er-Jahre, als sich auch bundesweit die Zahl dieser Geschäfte deutlich reduzierte.
Weitere Spuren wie z. B. Zeitungsanzeigen oder Werbung ließen sich nicht finden, vermutlich sprach man eher die nahe Umgebung und Laufkundschaft an.
Fotografiert im September 2024. Quelle: Adressbuch Düsseldorf.