Die König-Brauerei ist heute im Wesentlichen für ihr Pilsener Bier bekannt, doch das war nicht immer so. Noch bis in die 70er-Jahre, bevor es zu Übernahmen durch (inter-)nationale Konzerne kam, stellten Brauereien oft ein breites Spektrum von Biersorten her. Dazu gehörte auch König, die z. B. Altbier, Rotbier oder Export produzierte. Exportbier war ursprünglich tatsächlich für den Export gedacht und musste deswegen lange haltbar sein. Deswegen wurde es im untergärigen Brauverfahren hergestellt und mit der Zeit erfreute es sich auch im Inland einer größeren Beliebtheit. König braute das Exportbier etwa von den frühen 1920er-Jahren bis ca. Mitte der 70er-Jahre. Die Werbung dürfte aus den 50er- oder 60er-Jahren stammen.
Wer weiß heute noch, was ein Farbband ist, bzw. wann hat man zuletzt an einer Schreibmaschine gesessen? Die Produkte des ehemaligen Unternehmens wirken heute völlig aus der Zeit gefallen. Farbbänder waren mit Farbe getränkte Textilbänder, die in eine Schreibmaschine eingesetzt wurden und beim Anschlag durch die Schreibmaschinentype den jeweiligen Abdruck aufs Papier brachten. Diese Technik war noch bis etwa Anfang der 2000er-Jahre weitverbreitet und ist heute durch Computer und Drucker verdrängt worden.
Alpad ist ein Akronym von Albert Padberg, der 1907 in Elberfeld (heute Wuppertal) im Alter von 34 Jahren unter seinem Namen ein Unternehmen für Farbbänder gründete. Die Produkte kamen unter dem Namen Alpad auf den Markt. Albert Padberg war bei der Gründung seines Unternehmens nicht gänzlich unerfahren auf dem Gebiet, hatte er doch schon im Jahr 1900 ein Patent für die Herstellung von Band aus beliebig dünnem Faserstoff angemeldet. Zu dem Zeitpunkt betrieb er in der Ronsdorfer Straße 71 eine sogenannte „Agentur und Kommission“. 1908 wurde Alpad als Marke eingetragen, das Unternehmen stellte neben Farbbändern auch Kohlepapier und Glühstrümpfe her. Glühstrümpfe waren ein Spezialgewebe und kamen in Gaslampen zum Einsatz. Daneben vertrieb er in den ersten Jahren auch Schreibmaschinen und Glashütten-Produkte.
Das Unternehmen befand sich zunächst in Elberfeld auf der damaligen Berliner Str. (heute Hofkamp) und zog 1929 nach Elberfeld-West. Das auch auf dem Foto zu sehende Geschäftshaus hatte Albert Padberg 1929 erbauen lassen, gerade noch vor der beginnenden Weltwirtschaftskrise. Privat bewohnte er mit seiner Familie seit 1919 eine Villa auf der Von-der-Goltz-Straße. Der dreiköpfige Haushalt verfügte über zwei Angestellte. 1932 erhielt eine Mitarbeiterin der ersten Stunde, Fräulein (!) Auguste Schickerling, ein Ehrendiplom der Industrie- und Handelskammer Wuppertal für 25-jährige Tätigkeit im Unternehmen. Nach dem Krieg firmierte das Unternehmen als Spezial-Farbbandfabrik. Anfang der 50er-Jahre zog sich Albert Padberg mit fast 80 Jahren aus dem Unternehmen zurück, es blieb bis zum Schluss in der Familie und ging im Jahr 2000, kurz vor dem 100-jährigen Bestehen, in die Insolvenz.
1999 war an derselben Adresse die Alpad Vertriebs GmbH gegründet worden, die Farbbänder, Toner usw. vertrieb. Ob es hier eine personelle Überschneidung bzw. rechtliche Nachfolge mit der Albert Padberg GmbH gab, ist aber noch unklar. Das neue Unternehmen wurde 2018 geschlossen, Produkte mit dem Namen Alpad werden seitdem von der Wuppertaler Firma Compatech vertrieben. Auch wenn es das ursprüngliche Unternehmen nicht mehr gibt, besteht der Markenname bald seit 110 Jahren, woran die Neonreklame aus den 50er-/60er-Jahren noch immer erinnert.
Fotografiert im August 2024.
Quellen: Bonner Volkszeitung, Morgen-Zeitung, Reichsanzeiger, Handelsregister, Adressbuch Elberfeld, Landesarchiv NRW (NW 1022-P, Nr. 30324), Webseite der Firma Compatech.
Weiterführende Links:
Alpad-Produkte beim Farbbandwiki.
Unter der Neon-Reklame steht: 1899 Rosen-Apotheke 1950
Symbol für den Gründer Anton Schnütgen …
… und den Wiedererbauer Hermann Schnütgen
Obwohl schon seit über zehn Jahren geschlossen und inzwischen von einer Fahrschule genutzt, ist an dem Laden noch der alte Geschäftsname zu lesen. Die Rosen-Apotheke war ein Traditionsgeschäft mit exakt 115-jähriger Familien-Geschichte am selben Standort. Gegründet wurde sie von Anton Schnütgen, der im April 1899 die Konzession zur Errichtung erhielt, wobei es sich um die dritte Apotheke in der Gemeinde handelte.
Schnütgen stammte zwar aus Westfalen, hatte aber schon von 1887-92 in Hofheim/Taunus eine Apotheke besessen. 1919 zog er sich im 65. Lebensjahr aus dem Geschäft zurück und übertrug die Apotheke seinem Sohn Hermann, der im Ersten Weltkrieg als Oberapotheker (entspricht dem Rang Hauptmann) gedient hatte. Der Junior konnte die Apotheke aus rechtlichen Gründen allerdings nur als Verwalter übernehmen, die Konzession untersagte nämlich ausdrücklich die Bestimmung des Geschäftsnachfolgers durch den Inhaber. Mit den Konzessionen reglementierte der Staat die Anzahl und den Sitz der Apotheken und unterband mit der Nachfolgerbestimmung den (teuren) Handel mit den raren Konzessionen. Sie fielen an den Staat zurück, der sie neu vergeben konnte.
Schnütgen Senior war seit 1917 ehrenamtlich pharmazeutischer Bevollmächtigter der Bezirksregierung. 1924 feierte er das 50. Berufsjubiläum, was damals ein gesellschaftliches Ereignis war, zu dem zahlreiche namhafte Honoratioren aus nah und fern erschienen. Als Anton Schnütgen 1936 verstarb, erlosch die Konzession und sein Sohn erhielt erst mehrere Monate später formell die neue Betriebserlaubnis. Im September 1944 wurde die Bevölkerung zwangsevakuiert, da Eschweiler nach dem Vormarsch der Alliierten im Frontgebiet lag, im November brannte das Geschäftshaus durch die Kriegsereignisse völlig aus. Ende 1945 konnte im gegenüberliegenden Haus eine Notapotheke errichtet werden, bis sie 1951 ins wiederaufgebaute Gebäude zurückkehrte.
Hermann Schnütgen gehörte ab den 20er-Jahren mehrere Wahlperioden lang als Vertreter für Eschweiler der Apothekerkammer an. Später war er Pharmazierat bei der Bezirksregierung und erhielt 1959 das Bundesverdienstkreuz. Die Apotheke wurde noch zwei Generationen in der Familie weitergegeben und fast auf den Tag genau 115 Jahre nach der Errichtung im April 2014 aufgelöst.
Fotografiert im Oktober 2025.
Quellen: Reichsanzeiger, Handelsregister, Aachener Anzeiger, Echo der Gegenwart, Bote für Stadt und Land, Vesters Archiv für Apothekengeschichte (Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), Die preußischen Apothekenbetriebsrechte (Adolf Hamburger, ISBN 978-3-642-51297-1, Springer, 1928, Neudruck).
Verkaufsautomaten erleben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. Ganz neu ist diese Entwicklung aber nicht, nach einer zwischenzeitlichen Flaute belebt sich damit ein schon viel früher genutzter Verkaufsweg. Wer erinnert sich nicht an die heute meist verschwundenen „Groschengräber“ wie den Kaugummiautomaten oder an den Eierautomaten beim Bauern.
Das hier gezeigte Exemplar dürfte aus den 1950er- oder 60er-Jahren stammen, als es auch in kleineren Orten noch eine Nahversorgung mit Bäcker, Kaufmannsladen, Metzger usw. gab. Die Öffnungszeiten waren deutlich knapper als heute üblich und manche Waren fehlten einem immer dann, wenn das Geschäft gerade geschlossen hatte. Die Zielgruppe des Automaten war in der Damenwelt zu suchen. Strümpfe meint hierbei nicht die heutigen Socken, sondern Strumpfhosen bzw. beinlange Strümpfe. Laufmaschen konnte man sich nicht erlauben, wenn man am Wochenende Tanzen ging. Der Automat hat bestimmt viele aus der Notlage gerettet. Strumpfhosen waren damals kein günstiges Vergnügen und am Automaten waren 3 DM fällig, einschließlich Inflation wären das heute etwa 8,20 €. In den 50er-Jahren befand sich in dem angrenzenden Haus der Lebensmittelladen von Josef Zimmermann, der Geschäftsraum ist aber längst einer Wohnung gewichen.
Vielen Dank an Bianca G. für das schöne Foto! Fotografiert im August 2024. Quellen:
Adressbuch Kreis Ahrweiler, Kaufkraftäquivalente der Deutschen Bundesbank.