Casseler Brotbäckerei Julius Range in Wuppertal

copyright: www.ghostsigns.de

Eine Bäckerei aus Kassel (bis 1926 Cassel geschrieben) im gut 200 km entfernten Wuppertal klingt erst einmal überraschend. Vermutlich ging es aber um das Backen von Brot Kasseler Art, das seinen Weg vom Ursprungsort in Kassel mit der Zeit auch ins Rheinland fand. Vielleicht kam Julius Range aber aus Kassel, wo es damals Einwohner des Namens gab, während der Name in Wuppertal vorher nicht bekannt war.

Die Bäckerei wurde kurz vor 1899 gegründet, zunächst in der Beckmannshoffstraße 4 in Barmen, damals noch als Casseler Brod-Bäckerei. Spätestens 1903 zog das Geschäft in die Westkotter Straße 112, das Gebäude erwarb Julius Range auch und änderte Brod zu Brot. Etwa 1912 verschwanden der Inhaber und sein Geschäft, auch das Haus wechselte den Besitzer. Etwa 1916 kamen beide zurück nach Barmen und quartierten sich in der Nähe des alten Standorts ein, dort verblieb der Laden bis zur Schließung. Mitte der 20er-Jahre erwarb Range das Haus. Er muss ein erfolgreicher und angesehener Geschäftsmann gewesen sein, 1932 wurde er in den Aufsichtsrat der Barmer Kreditbank berufen. Um 1938 verstarb Julius Range, worauf seine Witwe das Geschäft weiterführte.

Seine Söhne hatten auch das Bäckerhandwerk erlernt. Von ihnen trat Erich ins Geschäft ein und übernahm es Anfang der 40er-Jahre. Walter machte sich mit einer eigenen Bäckerei (später Range & Fahlbusch) in der Großen Flurstraße selbstständig. Ein weiteres Familienmitglied, Emmy Range, betrieb in der Wilkhausstraße ebenfalls eine Bäckerei. Erich wurde später zur Wehrmacht eingezogen und fiel im Oktober 1944 bei einem Fliegerangriff auf Münster. Seine Frau Elfriede führte das nun als Spezialbäckerei für Waldecker und Eifeler Brot arbeitende Geschäft fort. Kurz vor Kriegsende, im März 1945, wurde ein Auto der Bäckerei gestohlen.

Nach etwa 70 Jahren des Bestehens gab man die Bäckerei Ende der 60er-Jahre auf, stattdessen zog die Schreibwarenhandlung Hockebrink ein. Ab Mitte der 70er-Jahre scheint der Laden nicht mehr vermietet gewesen zu sein und auch Emmy führte ihr Geschäft nicht mehr. Range & Fahlbusch gab es da zwar noch, ist heute aber auch nicht mehr aktiv.

Fotografiert im Dezember 2022.
Quellen: Adressbuch Barmen, Adressbuch Wuppertal, Neueste Nachrichten, Solinger Tagblatt, BArch, B 563-2 KARTEI/G-A 733/1136

Schlachterei Wilhelm Allruth in Delligsen

Delligsen ist ein hübscher Ort in Niedersachsen zwischen Alfeld und Einbeck. Die Aufschrift am Haus stammt noch aus den Zeiten, als quasi jedes Dorf eigene Metzger, Bäcker und Kaufmannsläden hatte. Mit dem Schließen dieser Geschäfte verschwanden auch die Ladenschilder, deswegen ist das heutzutage ein rarer Fund.

Die Familie Allruth war in Delligsen über mehrere Generationen als Metzger bzw. Schlachter tätig. Der erste, der sich finden ließ, war um 1900 der Hausschlachter August Allruth. Um 1915 hatte Wilhelm Allruth das Geschäft übernommen und führte es bis zu Beginn der 1930er-Jahre. Dabei ereignete sich im Mai 1929 ein Unglück:
In der benachbarten Scheune des Schuhmachers und Landwirts Binnewies brach nachts ein Feuer aus, es zerstörte die Scheune und fackelte den Dachstuhl seines Wohnhauses ab. Es sprang aber auch auf das Wohn- und Geschäftshaus von Wilhelm Allruth über und zerstörte es vollständig. Zwar konnte Allruth das Mobiliar zum großen Teil retten, aber das Geschäft war abgebrannt. In der Folge dürfte es schnell wieder aufgebaut worden sein und aus dieser Zeit stammt wohl auch die Aufschrift an der Wand. Auch die Ziegelfarbe und Bauart des Gebäudes verraten, dass es nicht aus der gleichen Zeit wie die anderen Häuser der Straße stammt, die durchweg als Fachwerkhaus oder in rotem Ziegel ausgeführt sind.

Etwa Mitte der 1930er-Jahre wird Wilhelm Allruth als sogenannter „Altenteiler“ genannt, das heißt, er hatte das Geschäft an jemand anderen übergeben und erhielt dafür Zahlungen oder Deputate. Zu diesem Zeitpunkt führte Rudolf Beckmann die Schlachterei. Spätestens nach dem Krieg hatten die Allruths das Geschäft wieder übernommen, hier wird erneut ein Wilhelm Allruth als Schlachter genannt. Rudolf Beckmann hatte zu diesem Zeitpunkt ein paar Straßen weiter eine eigene Schlachterei. In den 60er-Jahren führte Ludwig Allruth das Handwerk als Hausschlachter fort, aber nicht mehr an der bisherigen Adresse.

Fotografiert im März 2023.
Quellen: Adressbuch Kreis Alfeld, Adressbuch Kreis Gandersheim, Herforder Kreisblatt.

Tubbesing in Wuppertal

Im Umfeld des Bahnhofs Unterbarmen in Wuppertal hängt etwas versteckt und verloren ein altes Firmenschild. Es besteht aus dicken Holzbohlen, auf die mit weißer Farbe der Firmenname gepinselt ist. Wie so oft steckt auch hier hinter einem unscheinbaren Namen ein einst erfolgreiches Unternehmen.
Die Firma Eduard H. Tubbesing wurde im Mai 1916 vom Kaufmann Eduard Heinrich Tubbesing in der damaligen Stadt Barmen (heute Stadtteil von Wuppertal) gegründet. Dabei handelte es sich um eine Nährmittelfabrik, die Speisepulver (z. B. Backpulver, Puddingpulver), Vanillinzucker sowie pharmazeutische Präparate und diätetische Nahrungsmittel produzierte. Mitten im Ersten Weltkrieg, in dem Rohstoffe und Nahrungsmittel streng rationiert waren und Deutschland von ausländischen Importen abgeschnitten war, dürfte das nicht ganz einfach gewesen sein. Hierbei stellte man im Laufe der Zeit Ersatzprodukte her, wie z. B. Kunsthonigpulver, immerhin verkaufte man die Produkte landesweit. Dennoch muss das Unternehmen recht erfolgreich gewesen sein, wohnte der Inhaber mit seiner Familie doch in der vornehmen Marienstraße und konnte sich ein Hausmädchen leisten.

Das Unternehmen hatte allerdings ältere Wurzeln und wurde um 1890 von Heinrich Lappe jun. unter dessen Namen gegründet. Es hatte seinen Sitz dabei auf der Oberdörner Straße und war eine sogenannte „Drogen- und Farbengroßhandlung“, die gewöhnlich Lebensmittel, Kolonialwaren, Bonbons, Essenzen, Tinkturen, Öle, Farben, Haushaltswaren usw. verkauften. Die Bezeichnung Drogerie bürgerte sich erst später für derartige Geschäfte ein.
1901 übernahmen es die Kaufleute Georg Sommerkamp und Ernst Stolte, die das Unternehmen in Sommerkamp & Stolte umbenannten. Schnell errichteten sie in Gelsenkirchen auf der Bochumer Straße eine Filiale und verlegten die Zentrale später auf die Auerstraße. 1911 schied Stolte aus und Tubbesing trat ein, worauf das Unternehmen Sommerkamp & Tubbesing hieß. 1914 verursachte ein Firmen-PKW einen Unfall, als er wohl durch zu hohe Geschwindigkeit in ein Schaufenster fuhr und zwei umstehende Personen schwer verletzte. 1915 erhielt Tubbesings Frau Rosa Prokura, was darauf hindeutet, dass er spätestens zu diesem Zeitpunkt eine Majorität im Unternehmen hatte und es wohl den Grundstock seiner 1916 gegründeten Firma bildete.

In den 20er-Jahren übernahm Heinz Tubbesing die Geschäftsleitung. Das Unternehmen existierte mindestens noch in den 70er-Jahren, wobei es sich ab den 60er-Jahren auf Bäckereibedarf spezialisierte.

Fotografiert im Dezember 2022.
Quellen: Reichsanzeiger, Adressbuch Barmen, Adressbuch Wuppertal, Emscher Zeitung, Hagener Zeitung, Gelsenkirchener Zeitung, Karlsruher Zeitung.

Lebensmittel & Molkerei Gündling in Bad Kissingen

Wer sich die Szene ansehen möchte, muss sich beeilen, denn die Häuserecke in der Weidgasse soll in Kürze abgerissen werden, um einem modernen Wohn- und Geschäftshaus Platz zu machen.

Die ehemalige Lebensmittel- und Milchhandlung Gündling befand sich am Rande der Kissinger Altstadt. Gegründet wurde sie vor dem Jahr 1934 von Anton Gündling und bestand bis Februar 1988. Neben den Aufschriften an den Gebäuden haben sich am Tor auch die Initialen des Gründers erhalten. Das alles lässt durchaus auf ein größeres und erfolgreiches Geschäft schließen. Anscheinend fand sich aber kein Nachfolger oder kein nachhaltiges Nutzungskonzept, sodass die Häuser lange leer standen und verfielen.

Mit dem bevorstehenden Abriss verschwindet nicht nur eine markante Häuserecke, sondern auch ein sichtbares Stück Kissinger Alltagsgeschichte unwiederbringlich aus dem Stadtbild.

Vielen Dank an Sandra L. für die schönen Fotos! Fotografiert im April 2024.
Quellen: Reichstelefonbuch, Reichsanzeiger, Handelsregister, inFranken.delink, Main Postlink.

Verkaufsanstalt IV der Gutehoffnungshütte in Oberhausen

Verkaufsanstalt, Gutehoffnungshütte, Ladenschild, Oberhausen, Einzelhandel

Die Gutehoffnungshütte (GHH) in Oberhausen betrieb mehrere Zechen und verarbeitete die geförderten Erze weiter, später kam der Maschinenbau hinzu. Sie richtete über die Jahre zahlreiche Verkaufsanstalten zur preiswerten Versorgung der Arbeiter und ihrer Familien mit Lebensmitteln ein.
Die Verkaufsanstalt IV wurde 1910 als Teil der Werkssiedlung Vondern erbaut und stellte den Betrieb vermutlich in den 60er-/70er-Jahren ein, als die Unternehmen der Montanindustrie im Ruhrgebiet nach und nach geschlossen wurden. Die Beschriftung bzw. Inschrift ist nicht aufgemalt, sondern erhaben dargestellt, was darauf schließen lässt, dass man von vorneherein mit einer langen Nutzung rechnete. Vor dem Schriftzug sind Schlägel und Eisen als Symbol für den Bergbau abgebildet, dahinter die verschlungenen Buchstaben GHH.

Weiterführende Informationen bieten die interessanten Aufsätze vom Osterfelder Bürgerringlink und von Alfred und Ulrich Lindemann (PDF)link.

Fotografiert im Februar 2021.