Anton Brecklinghaus in Essen

Ein schöner Zufallsfund an einem Abbruchhaus in Essen, kurz nachdem die Firmeninschrift durch Abriss eines Gebäudeteils freigelegt wurde. Sie stammt aus den 1930er- oder 40er-Jahren, wobei sich darunter sogar noch die Inschrift des Vorgängerunternehmens erkennen lässt.

Den Ursprung hatte das Unternehmen ungefähr im Jahr 1875, als es der Zimmerer- und Maurermeister Johann Brecklinghaus in Stoppenberg (heute Stadtteil von Essen) gründete. Er führte das Unternehmen bis zum 61. Lebensjahr, als es seine Söhne Anton und Johann im Jahr 1911 unter dem Namen Gebr. Brecklinghaus Hoch- und Tiefbaugeschäft übernahmen. Zu dem Zeitpunkt hatte es sich längst einen Namen gemacht und war z. B. an der Erweiterung des St. Vincenz-Krankenhauses und dem lokalen Wohnungsbau beteiligt. Dabei traten die Brüder auch als Vermieter auf.
1936 verstarb Johann mit 53 Jahren, worauf Anton das Unternehmen wohl alleine weiterführte als Anton Brecklinghaus Hoch- und Tiefbau-Geschäft. Johanns Sohn Johann(es) bestand 1940 die Meisterprüfung als Maurer, führte aber ein eigenes Bauunternehmen und war nach dem Krieg als Maurermeister tätig. Antons Firma überstand den Krieg und ging nach seinem Tod im Jahr 1952 an seinen gleichnamigen Sohn, ab den 60er-Jahren unter dem Namen Anton Brecklinghaus Hoch-, Tief- und Betonbau. Nach seinem Tod hinterließ er das Unternehmen 1972 seiner Frau, 1986 wurde es nach über 110 Jahren Familiengeschichte geschlossen.

Fotografiert im Januar 2023.
Quellen: Adressbuch Essen, Adressbuch Stoppenberg, Essener Allgemeine-Zeitung, Essener Anzeiger, Essener General-Anzeiger, Essener Volks-Zeitung, Volkswacht, Handelsregister, findagrave.com.

DAB / Dortmunder Actien-Brauerei in Velbert

Am Giebel einer ehemaligen Kneipe in Velbert hat sich eine schon ziemlich verblichene Werbung für die DAB erhalten. Im oberen Teil waren ursprünglich die Buchstaben „DAB“ zu lesen, während darunter in zwei Zeilen „Dortmunder Actien-Brauerei“ stand.
Dortmund war einst eine der großen Bierstädte in Deutschland, die zahlreiche Marken wie das DAB bzw. umgangssprachlich „Dortmunder“ hervorbrachte. Neben Westfalen fand es unter anderem im Rheinland größere Verbreitung und war auch als Exportbier erfolgreich. Etwa ab den 1970er-Jahren sank der Absatz zunehmend und auch das Verbreitungsgebiet wurde stetig kleiner.

Etwas überraschend ist, dass die Werbung so hoch angebracht ist, während die restliche Wand frei blieb. Durch die dichte Bebauung der Umgebung ist die Werbung aus der Nähe zudem nicht gut zu sehen. Vermutlich sollte sie eher aus der Ferne wirken, vielleicht auf die ehemaligen Industriebetriebe in der Gegend.

Fotografiert im August 2024. Vielen Dank an Bianca G. für den Hinweis!

Tubbesing in Wuppertal

Im Umfeld des Bahnhofs Unterbarmen in Wuppertal hängt etwas versteckt und verloren ein altes Firmenschild. Es besteht aus dicken Holzbohlen, auf die mit weißer Farbe der Firmenname gepinselt ist. Wie so oft steckt auch hier hinter einem unscheinbaren Namen ein einst erfolgreiches Unternehmen.
Die Firma Eduard H. Tubbesing wurde im Mai 1916 vom Kaufmann Eduard Heinrich Tubbesing in der damaligen Stadt Barmen (heute Stadtteil von Wuppertal) gegründet. Dabei handelte es sich um eine Nährmittelfabrik, die Speisepulver (z. B. Backpulver, Puddingpulver), Vanillinzucker sowie pharmazeutische Präparate und diätetische Nahrungsmittel produzierte. Mitten im Ersten Weltkrieg, in dem Rohstoffe und Nahrungsmittel streng rationiert waren und Deutschland von ausländischen Importen abgeschnitten war, dürfte das nicht ganz einfach gewesen sein. Hierbei stellte man im Laufe der Zeit Ersatzprodukte her, wie z. B. Kunsthonigpulver, immerhin verkaufte man die Produkte landesweit. Dennoch muss das Unternehmen recht erfolgreich gewesen sein, wohnte der Inhaber mit seiner Familie doch in der vornehmen Marienstraße und konnte sich ein Hausmädchen leisten.

Das Unternehmen hatte allerdings ältere Wurzeln und wurde um 1890 von Heinrich Lappe jun. unter dessen Namen gegründet. Es hatte seinen Sitz dabei auf der Oberdörner Straße und war eine sogenannte „Drogen- und Farbengroßhandlung“, die gewöhnlich Lebensmittel, Kolonialwaren, Bonbons, Essenzen, Tinkturen, Öle, Farben, Haushaltswaren usw. verkauften. Die Bezeichnung Drogerie bürgerte sich erst später für derartige Geschäfte ein.
1901 übernahmen es die Kaufleute Georg Sommerkamp und Ernst Stolte, die das Unternehmen in Sommerkamp & Stolte umbenannten. Schnell errichteten sie in Gelsenkirchen auf der Bochumer Straße eine Filiale und verlegten die Zentrale später auf die Auerstraße. 1911 schied Stolte aus und Tubbesing trat ein, worauf das Unternehmen Sommerkamp & Tubbesing hieß. 1914 verursachte ein Firmen-PKW einen Unfall, als er wohl durch zu hohe Geschwindigkeit in ein Schaufenster fuhr und zwei umstehende Personen schwer verletzte. 1915 erhielt Tubbesings Frau Rosa Prokura, was darauf hindeutet, dass er spätestens zu diesem Zeitpunkt eine Majorität im Unternehmen hatte und es wohl den Grundstock seiner 1916 gegründeten Firma bildete.

In den 20er-Jahren übernahm Heinz Tubbesing die Geschäftsleitung. Das Unternehmen existierte mindestens noch in den 70er-Jahren, wobei es sich ab den 60er-Jahren auf Bäckereibedarf spezialisierte.

Fotografiert im Dezember 2022.
Quellen: Reichsanzeiger, Adressbuch Barmen, Adressbuch Wuppertal, Emscher Zeitung, Hagener Zeitung, Gelsenkirchener Zeitung, Karlsruher Zeitung.

Hamburger Abendblatt / Roths Alte Englische Apotheke in Hamburg

Diese alte Werbung kam zum Vorschein, als Anfang 2023 die Gänsemarkt-Passage abgerissen wurde. Die Fassade wird durch eine Plane geschützt, deswegen ist die Werbung etwas schwer lesbar.

Gut zu erkennen ist die Werbung für das „Hamburger Abendblatt“, das 1948 gegründet wurde und seinen Sitz unterhalb der Werbung in einem Flachbau hatte. Oberhalb davon wird für „Roths Alte Englische Apotheke“ geworben, die ihren Sitz auch heute noch in dem Gebäude hat. Die Entstehungszeit der Werbung lässt sich schwer schätzen, vermutlich stammt sie aus den 60er- oder frühen 70er-Jahren. Die Gänsemarkt-Passage wurde ab 1976 errichtet. Auf Facebook ist die Situation in den 50er-Jahrenlink im Beitrag von Heino Tietje schön zu sehen, damals trug die Fassade aber noch eine andere Werbung. Der Neubau ist durch den Konkurs der Signa Holding vorerst gestoppt, sodass die alte Werbung wohl noch länger sichtbar bleiben wird.

Fotografiert im November 2023.

Herte Company / J. Held in Riegel am Kaiserstuhl



Die Aufschrift weist auf ein Petroleumlager hin, das sich vor rund 100 Jahren in dem gemauerten Schuppen befunden haben muss. Sie ist heute nur noch eingeschränkt zu entziffern, außerdem überlagern sich mehrere Schichten. Oben steht in gebogener Schrift Petroleum-Lager, dahinter befinden sich ältere nicht mehr lesbare Schriftzüge. Die obere Tür wurde vermutlich erst später eingebaut und unterbricht den Firmennamen Herte Company. In der Gebäudemitte steht J. Held, wobei sich dahinter ebenfalls ältere nicht mehr lesbare Namen befinden. Neben der unteren Tür wiederholt sich Herte Company.
Die Herte-Schriftzüge wurden auf freie Flächen gepinselt und weichen in der Schriftart deutlich von den anderen ab. Das Gebäude liegt zwischen Riegel und Kenzingen am Rand eines Ackers. Der Türrahmen aus rötlichem Sandstein mit den herausstehenden Steinen ähnelt vom Stil her den um 1900/10 errichteten Gebäuden der nahen Riegeler Brauerei.

J. Held war eine in Kenzingen von Johann Held vor 1856 gegründete Lichterfabrik, die Kerzen herstellte und der wohl auch eine Seifensiederei angeschlossen war. 1889 ging sie nach seinem Tod an den Sohn Karl über, der 1895 Friederike Neef heiratete. Interessanterweise sind Eheverträge keine Erfindung unserer Zeit, denn schon damals vereinbarten beide Gütertrennung, um das Geschäft zu schützen. Das dürfte durchaus erfolgreich gewesen sein. Im Jahr 1907 konnte man sich einen Telefonanschluss leisten, bei insgesamt nur 14 im ganzen Ort. Als Karl Held 1915 verstarb, übernahm seine Witwe das Unternehmen, das als umfangreiches kaufmännisches Geschäft mit Seifensiederei bezeichnet wurde. Im April 1917 musste es schließen, wonach der Besitz (u.a. das Geschäftshaus und der nun als Erdöllager genutzte Schuppen) zwangsversteigert wurde.
Insofern muss die Aufschrift J. Held vor 1917 angebracht worden sein. Zumindest einen Vorbesitzer dürfte das Lager gehabt haben, dieser ist an der Fassade aber nicht mehr lesbar.

Das Unternehmen Herte mit Sitz in Freiburg/Breisgau handelte mit Betriebsstoffen, Motoröl usw. und betrieb später auch Tankstellen. Es wurde 1916 vom Kaufmann Gottfried Herte als Herte Companie KG gegründet, zuvor war er seit etwa 1909 in Freiburg lokaler Vertreter der Pocol-Petroleumgesellschaft (Hamburger Niederlassung der amerikanischen Pure Oil Company Ltd.) gewesen. Nach außen hin trat die KG allerdings zeitweise als Herte Company auf, was noch Rätsel aufgibt. Vermutlich übernahm Herte das Lagergebäude aus der Zwangsversteigerung im Jahr 1917, was eine sinnvolle Ergänzung des Vertriebsnetzes war. Zudem gab es während des 1. Weltkrieges eine zentralisierte Rohstoffbewirtschaftung, sodass hier Ressourcen gebündelt werden konnten. Ab etwa 1924 galt Companie dann auch öffentlich, somit lässt sich die Entstehung der Aufschrift Herte Company ungefähr auf den Zeitraum 1917 bis 1924 eingrenzen.
Ab August 1925 war Gottfried Herte nach dem Ausscheiden seines Teilhabers alleiniger Inhaber, zu dem Zeitpunkt hatte das Unternehmen Lager in großen Teilen von Baden. Im September 1926 wandelte sich die Firma in eine GmbH um, mit Gottfried Herte und Wilhelm Schreiber als Geschäftsführer und einem Stammkapital von 20.000 Reichsmark. Schon im Januar 1927 schied Herte aus finanziellen Gründen aus der Geschäftsführung aus und im selben Jahr wechselten die Geschäftsführer noch mehrfach, bis im November 1927 die Familie Schmukle die Leitung übernahm und das Unternehmen unter dem angestammten Namen bis zur Schließung im Jahr 2004 führte. Wie lange das Lagergebäude im Besitz des Unternehmens blieb, ließ sich bisher nicht herausfinden.

Fotografiert im Oktober 2022.
Quellen: Reichsanzeiger, Adressbuch Freiburg, Badische Presse, Karlsruher Zeitung, Breisgauer Nachrichten, Telephon-Adressbuch für das Deutsche Reich, Handelsregister.

Doppeldecker Routemaster RM 2032 (London Transport) bei Arcachon

Zugegeben, der ehemalige Doppeldecker der Londoner Verkehrsbetriebe ist kein klassisches „Ghost Sign“. Der erschreckende Zustand lässt ihn aber leider wie eines erscheinen, zudem existieren von den einst knapp 2.100 Bussen nur noch eine Handvoll. Die ehemals umtriebigen Fanseiten und die Besitzervereinigung sind inzwischen kaum noch aktiv, deswegen bekommt der Bus hier einen Auftritt, auch weil er schöne Erinnerungen an meine ersten London-Trips wachruft. Sollte sich jemand für den Bus interessieren, nenne ich auf Anfrage gerne den genauen Standort.

Der Bus mit der Nummer RM 2032 (RM = Routemaster) wurde im September 1964 an London Transport ausgeliefert und war dort bis November 1987 im Einsatz. Er hatte Platz für 64 Passagiere (36 oben und 28 unten). Danach ging er an einen britischen Händler, der ihn 1990 nach Frankreich an die Firma „Octobus“ in Paris verkaufte. Dabei verlor er auch sein britisches Kennzeichen ALM 32B. 1996 befand sich der Bus bei „Autocars Brouens“ in Villeneuve sur Lot. Dort war der Bus bis 2017 im Einsatz, wobei er aber auch die Symbole von „Arca-Tours“ trägt, einem Reiseanbieter in Arcachon und somit eventuell weitere Besitzer hatte. Von den französischen Unternehmen scheint keines mehr zu bestehen.
2017 ging der Bus jedenfalls an den Händler „Pyla Classic Cars“ in der Nähe von Arcachon, der ihn etwa 1 Jahr später an eine Bar in der Umgebung verkaufte, bei einer Preisvorstellung von 22.500 €. Davon gibt es ein Verkaufsvideolink bei YouTube.

Die Bar nutzte ihn auf dem Gelände als eine Art Foodtruck für ihre Gäste, wobei er unter freiem Himmel stand. Später stellte man den Bus vor die Tür, wo er auch heute noch ohne Verwendung steht und vergammelt. Das überrascht, weil er umgebaut wurde und unten ein größeres Fenster für die Essensausgabe bekam sowie eine Einrichtung für die Zubereitung, was alles zusammen mit dem Kaufpreis eine höhere Investition gewesen sein dürfte. Nachdem der Bus über 50 Jahre lang gepflegt wurde und 2017 noch in einem guten Zustand war, ist die Farbe inzwischen deutlich verblasst und es rostet überall.

Fotografiert im Juni 2024.
Quellen: Ian’s Bus Stoplink, Pyla Classic Cars #1link, Pyla Classic Cars #2link
Weitere Fotos: Alain Mugica’s Seite bei Flickrlink

Midinette-Hüte / Hutfabrik Eiserfey in Köln

Am 7. Januar 1914 gründete Martin Eiserfey in Köln die Damen-Stroh- und Filzhut-Fabrik M. Eiserfey, die anscheinend schnell Erfolg hatte, so suchte man doch regelmäßig in Zeitungsannoncen Arbeiterinnen. Das Unternehmen überstand den Ersten Weltkrieg und die Wirtschaftskrisen in den 20er-Jahren, im August 1938 stieg (der Sohn?) Hubert Eiserfey als Gesellschafter ein. Etwa zu diesem Zeitpunkt verkürzte die Firma den etwas sperrigen Namen zu „Damenhutfabrik M. Eiserfey“. Die Fabrik konnte trotz Bombenschäden durch die schwierigen Zeiten des Zweiten Weltkrieges manövriert werden, 1951 verstarb der Gründer. Der Markenname „Midinette“ wurde anscheinend erst ab 1952 verwendet, aus dieser Zeit dürfte auch die gut erhaltene Neonreklame stammen.

Das heute unbekannte Wort lässt sich ab etwa 1900 finden und war in Paris ein Spitzname für Arbeiterinnen, die zur Mittagszeit (französisch midi) ihre Arbeitsplätze verließen, um etwas zu essen (dinette). Diese sogenannten Midinetten organisierten sich genossenschaftlich, führten Arbeitskämpfe, veranstalteten Radrennen usw., worüber deutsche Zeitungen interessiert berichteten. Später bürgerte sich der Name für weibliches Personal in der Bekleidungs- bzw. Modebranche ein.

1966 hatte das Unternehmen etwa 100 Arbeitskräfte, die täglich ca. 1.000 Hüte in Handarbeit produzierten. Die Absatzgebiete lagen überwiegend in West-Deutschland und Skandinavien. Die Hutfabrik bestand noch bis Ende der 1970er-Jahre. Zu Beginn der 70er-Jahre produzierte die Familie unter dem Namen Midinette auch Damenoberbekleidung, was aber ebenfalls am Ende des Jahrzehnts wieder aufgegeben wurde.

Fotografiert im Januar 2023.
Quellen: Kölnische Zeitung, Reichsanzeiger, Tages-Anzeiger, Rheinische Volkswacht, Handelsregister, Deutsches Marken- und Patentamt, Kölnische Rundschau.

ADOX Filmautomat im Schwarzwald

Auf der Durchreise sah ich in einem Ort nahe Freiburg/Breisgau diesen alten und sehr gut erhaltenen Filmautomaten, der die Zeiten wohl nur deswegen überlebt hat, weil er in eine Haustür eingelassen ist. Der Warenautomat stammt aus den 1950er- oder 60er-Jahren und wurde von der Firma „Telefonbau und Normalzeit AG“ (kurz Telenorma bzw. T&N) hergestellt. Er hat vier Fächer für Roll- oder Kleinbildfilme, die je 2 DM (Deutsche Mark) bzw. unten links 3 DM kosteten. Das Geld musste in die Geldeinwürfe oberhalb der jeweiligen Fächer eingeworfen werden, danach konnte man unter dem Fenster eine Schublade mit dem Film herausziehen. Versetzt man sich in die damalige Zeit ohne Handy- und Digitalkameras, in der Kameras mit analogen Filmen mit bis zu 36 Fotos funktionierten, war der Automat eine nützliche Sache und ermöglichte rund um die Uhr Zugang zu Nachschub. Die Preisangaben auf den Geldeinwürfen sind in Emaille ausgeführt und vernietet, sodass Preisänderungen nicht so einfach umzusetzen waren.
Der Geldeinwurf weist ausdrücklich auf West-Geld hin, was ebenfalls die damalige Situation im Kalten Krieg mit zwei deutschen Staaten in Erinnerung ruft, denn die DDR nannte ihre Währung bis Mitte der 1960er-Jahre ebenfalls Deutsche Mark (danach nur noch Mark).

Die Filmmarke war mir bis dahin nicht bekannt und das Unternehmen produzierte ebenfalls Kameras. Es hatte eine lange Geschichte und entstand in den 1860er-Jahren aus der Chemiefabrik der Familie Schleussner in Frankfurt/Main. Wann Produkte unter dem Namen ADOX auf den Markt kamen, ließ sich nicht feststellen, sie weckten jedoch in den 1960er-Jahren das Interesse der amerikanischen Firma Du Pont. Sie übernahm die ADOX Fotowerke, die Familie Schleussner gab die Geschäftsführung 1964 ab. 1967 in Du Pont Fotowerke ADOX umbenannt, verlegte die Gesellschaft ihren Sitz 1968 nach Düsseldorf und wurde schließlich 1971 mit einem anderen Konzernunternehmen verschmolzen. Anscheinend wurde die Produktpalette bei der Übernahme durch Du Pont aufgespalten, sodass die Filmherstellung an eine jugoslawische Firma ging und die Sparte mit Röntgenfilmen beim ursprünglichen Unternehmen verblieb. Nach einer Insolvenz des jugoslawischen Unternehmens Anfang der 2000er-Jahre, bestehen die ADOX Fotowerke mit anderen Inhabern fort und stellen weiterhin analoge Filme und Fotoprodukte her.

Fotografiert im Oktober 2023. Der genaue Standort wird bewusst nicht genannt.
Quellen: Handelsregister, www.adox.delink, Stadtlexikon Wiesbadenlink.

Lebensmittel & Molkerei Gündling in Bad Kissingen

Wer sich die Szene ansehen möchte, muss sich beeilen, denn die Häuserecke in der Weidgasse soll in Kürze abgerissen werden, um einem modernen Wohn- und Geschäftshaus Platz zu machen.

Die ehemalige Lebensmittel- und Milchhandlung Gündling befand sich am Rande der Kissinger Altstadt. Gegründet wurde sie vor dem Jahr 1934 von Anton Gündling und bestand bis Februar 1988. Neben den Aufschriften an den Gebäuden haben sich am Tor auch die Initialen des Gründers erhalten. Das alles lässt durchaus auf ein größeres und erfolgreiches Geschäft schließen. Anscheinend fand sich aber kein Nachfolger oder kein nachhaltiges Nutzungskonzept, sodass die Häuser lange leer standen und verfielen.

Mit dem bevorstehenden Abriss verschwindet nicht nur eine markante Häuserecke, sondern auch ein sichtbares Stück Kissinger Alltagsgeschichte unwiederbringlich aus dem Stadtbild.

Vielen Dank an Sandra L. für die schönen Fotos! Fotografiert im April 2024.
Quellen: Reichstelefonbuch, Reichsanzeiger, Handelsregister, inFranken.delink, Main Postlink.

Smoke Camels in Flensburg

camel Die Camel-Werbung lief mir schon vor einigen Jahren in Flensburg auf der Schiffbrücke über den Weg. Die Straße war in den 1970er-und 80er-Jahren eine berüchtigte Party- und wohl auch Rotlichtmeile, bis sie später ziemlich herunterkam. Aus der Glanzzeit dürfte die Werbung stammen, genauer gesagt der Umriss. Ursprünglich waren die Schriftzüge und das Kamel auf den blanken Backsteinen befestigt und als irgendwann die Wand gestrichen wurde, musste man um die Werbung herummalen, wodurch die Umrisse entstanden. Später wurde die Camel-Werbung durch eine Plakatwand ersetzt, ohne dass die Umrisse zuvor überstrichen wurden. Anscheinend handelte es sich um eine Leuchtreklame. Inzwischen wurde die Schiffbrücke wieder auf Vordermann gebracht und auch das Haus renoviert, wobei die Wand (leider) komplett gestrichen wurde.

Fotografiert im Februar 2016.

Schuhhaus Hans Küpper in Düsseldorf

Die Neonreklame von „Küpper Schuhe“ leuchtet schon lange nicht mehr und erinnert an das ehemalige Schuhgeschäft Küpper in Düsseldorf-Rath. Es befand sich unmittelbar am dortigen (S-)Bahnhof und hatte wohl nichts mit gleichnamigen Läden in Düsseldorf zu tun, wie z. B. dem orthopädischen Schuhgeschäft Küpper (1899-2015) in der Stadtmitte.

Der Ursprung dürfte bei Robert Küpper liegen, der sich erstmals im Jahr 1901 als Schuhmachermeister finden lässt, vermutlich aber schon davor in der Branche tätig war. Nach mehreren Umzügen ließ er sich Anfang der 1920er-Jahre in der Westfalenstraße 97 nieder, einer klassischen Einkaufsstraße. Dort blieb das Geschäft bis zur Schließung im Jahr 1973 gut 50 Jahre lang, seit Anfang der 30er-Jahre unter Leitung von Hans Küpper. Später zog eine Schuhkette in die Räumlichkeiten ein.

Die Leuchtreklame, die sich ein gutes Stück vom ehemaligen Standort entfernt befindet, stammt vermutlich aus den 60er-Jahren.

Vielen Dank an Bianca G. für das schöne Foto! Fotografiert im März 2024.
Quellen: Adressbuch Düsseldorf, Handelsregister.

Baumschule H. Bendmann in Duisburg

Etwas abseits in Duisburg-Rheinhausen steht am Straßenrand ein hübsches Schild der ehemaligen Baumschule Bendmann. Erste Werbeanzeigen des damals noch „Plantage Bendmann“ genannten Betriebs lassen sich zu Beginn der 1920er-Jahre finden. Vermutlich entstand der Betrieb aus dem schon viele Jahre zuvor bestehenden Hof des zusätzlich als Gastwirt tätigen Wilhelm Bendmann, der landwirtschaftliche Produkte, Saatgut usw. verkaufte. Das Schild dürfte etwa aus den 1960er-Jahren stammen. Das Schild „Einfahrt“ täuscht: das ehemalige Areal der Baumschule ist heute Privatgelände und soll (teilweise) überbaut werden.

Fotografiert im Juli 2023.

Mietswaschküche / Heissmangel in Düsseldorf

Leider ließen sich zu den Aufschriften bisher keine Informationen finden. Sie befinden sich am Bunker in Düsseldorf-Wersten und können frühestens um das Jahr 1942 entstanden sein, vermutlich aber erst in den Nachkriegsjahren.

Fotografiert im Dezember 2022.

Zementwarenfabrik Ostermann in Gelsenkirchen

Die Gelsenkirchener Zementwarenfabrik Ostermann & Comp. GmbH hatte ihren Sitz in Gelsenkirchen-Rotthausen. Der Ursprung lag in der 1895 gegründeten Gelsenkirchener Cementwaarenfabrik Ostermann, Bielefeld & Crones OHG, die allerlei Waren aus Zement wie Rohre, Senkkästen, Trittstufen, Fensterbänke, Bodenplatten, Gartenschmuck, Springbrunnen usw. produzierte und vertrieb. Das Betriebsgelände war 21 Morgen (ca. 5,3 Hektar bzw. 0,05 km²) groß und verfügte über einen eigenen Bahnanschluss.
Paul Crones war zuvor in der Gründungsphase anscheinend die treibende Kraft gewesen, agierte dann aber nur noch als Gesellschafter, während der Guts- und Ziegeleibesitzer Johann Ostermann und der Bauunternehmer Franz Bielefeld das Unternehmen leiteten. Crones schied 1898 aus und gründete sein eigenes Zementunternehmen, während die bisherige Gesellschaft in Gelsenkirchener Cementwaarenfabrik Ostermann & Comp. OHG umfirmierte. 1901 schied Bielefeld aus, zu dieser Zeit sorgte die damalige Rechtschreibreform auch für die Änderung des Namens in Zementwarenfabrik.
1907 stand die nächste Änderung an mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 461.000 Mark (heute ca. 2,9 Millionen €). Die Gewinne waren jedoch überschaubar, lagen selten über 10.000 Mark im Jahr, teils im Verlustbereich und selbst von dem Bauboom der 30er-Jahre konnte Ostermann kaum profitieren und schloss das Jahr 1938 mit gerade einmal 600 Mark Gewinn ab.
Spätestens seit 1916 gehörte Ostermann der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch. Die Ruhrbesetzung zu Beginn der 1920er-Jahre durch französische Truppen brachte anscheinend vielfältige Probleme mit sich, so sah sich die Gesellschaft gezwungen, die Arbeitszeit von 8 auf 12 Stunden zu erhöhen. Denn erst danach, so das Unternehmen, hat die Leistung wieder einen befriedigenden Stand erreicht.
Ab 1952 firmierte das Unternehmen als GmbH und wurde 1997 nach 102 Jahren mit der Muttergesellschaft Dahlbusch verschmolzen. Das Zementgeschäft war anscheinend schon in den 1960er-Jahren aufgegeben worden, danach war der Geschäftszweck vermutlich die Verwaltung des verbliebenen Grundvermögens.

Die Fassadenaufschrift dürfte aus den 1950er- / 60er- Jahren stammen und ist leider kaum noch lesbar.

Fotografiert im Januar 2023.
Quellen: Reichsanzeiger, Handelsregister, Emscher Zeitung, Kölnische Zeitung, Echo der Gegenwart, Rhein- und Ruhrzeitung.
Zuerst gesehen im Forum Gelsenkirchener Geschichtenlink.

Wilhelm Cooberg in Duisburg

Wilh. Cooberg war eine Malerfirma, die über mehrere Generationen von der Familie Cooberg in Homberg am Niederrhein (1975 nach Duisburg eingemeindet) betrieben wurde.

Das Unternehmen wurde 1857 von Johann Wilhelm Cooberg in Homberg gegründet. 1894 übernahm es sein Sohn Carl Wilhelm, der sich auch gesellschaftlich stark engagierte, z. B. als Vorsitzender der Anstreicher-Innung, im Vaterländischen Kriegerverein, im Männergesangsverein und in Festkomitees. Das lässt auf eine gewisse soziale Stellung schließen, auch konnte man sich privat ein Dienstmädchen leisten. Nach seinem Tod im Jahr 1925 ging das Unternehmen an die Söhne Heinrich (der als Innungs-Obmann folgte) und Walter unter dem Namen „Wilhelm Cooberg Nachfolger“ über. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits das älteste Geschäft dieser Art im Ort und stellte regelmäßig Lehrlinge, Gehilfen und Gesellen ein. Nach dem Krieg wurde das Geschäft in der Familie an Wilhelm Cooberg weitergegeben. Es bestand etwa bis Ende der 60er- / Anfang der 70er-Jahre und wurde damit etwas mehr als 100 Jahre alt. Aus diesem Zeitraum dürfte auch die Fassadenwerbung mit dem Wappen bzw. Zunftzeichen der Maler stammen. Darunter ist sogar noch eine ältere Werbung mit dem Namen des Vorgängers Walter Cooberg zu erkennen. 02136 ist die ehemalige Vorwahl von Homberg.

Fotografiert im Dezember 2022.
Quellen: Duisburger General-Anzeiger, Adressbuch Kreis Moers, Adressbuch Duisburg.

Roemer Bier in Schlettstadt / Sélestat

Roemer bzw. Roemerbrau war eine Biermarke der französischen Brauerei Moritz aus Pfaffenhoffen im Elsass. Die Ursprünge reichen bis ins 16. Jahrhundert zum Gasthaus Römer (Brasserie du Romain) in Pfaffenhoffen zurück, aus der sich 1824 die Brauerei Moritz entwickelte. Nach einigen Besitzerwechseln wurde sie in den 1970er-Jahren geschlossen. Die Herkunftsbezeichnung „Bière d’Alsace“ entstand zu Beginn der 1960er-Jahre, somit lässt sich die Fassadenwerbung auf die 1960er-/70er-Jahre eingrenzen. Die Gründer der seit 1856 bestehenden Brauerei Moritz in Barcelona (Spanien) stammen übrigens aus der Pfaffenhoffener Familie.

Weitere Infos bietet die Bierdeckelseite Florival Sous-Bockslink.

Fotografiert im Mai 2022.

Gebrüder Tapken in Düsseldorf

An das Geschäft der Gebrüder Tapken bzw. Gebr. Tapken erinnert heute bis auf eine alte und schöne, aber unscheinbare Neonreklame für Tapeten und Farben nichts mehr. Dabei verbirgt sich hinter dem Namen eine interessante und fast 200 Jahre zurückreichende Unternehmergeschichte.

Gerhard Tapken gründete 1828 in Düsseldorf-Bilk die Farben- und Materialwarenhandlung Gerhard Tapken, damals eine gängige Mischung aus Lebensmittelhandlung und Drogerie mit Dingen des täglichen Bedarfs, Ölen, Farben, exotischen Waren usw. Nach einer Zwischenstation in der damaligen Bolkerstraße 447 (heute Nr. 59 und als Heinrich Heines Geburtshaus bekannt) siedelte sie sich später am Carlsplatz 17 an. In den 1860er-Jahren übernahm Gerhard Junior das Geschäft und nannte es in Gerhard Tapken Sohn um, verstarb aber Anfang der 1870er-Jahre. Seine Witwe führte das Geschäft fort und verkaufte es Anfang 1872 unter Beibehaltung von Name und Anschrift.
Wenige Wochen danach gründete dessen Bruder Alfred mit Eduard van Calker die Droguerie, Farb- und Materialwaarenhandlung A. Tapken & van Calker am Carlsplatz 22. Van Calker war Jahre zuvor in Elberfeld (heute Wuppertal) schon eine Zeitlang Teilhaber der 1859 mit Louis Tapken gegründeten Colonial-, Farb- und Materialwaarenhandlung L. Tapken & van Calker gewesen. Sie bestand später als Louis Tapken bis Ende der 1960er-Jahre fort.

Somit gab es am Carlsplatz, quasi Tür an Tür, zwei Geschäfte des Namens Tapken mit ähnlichem Sortiment. Van Calker schied 1874 aus, dafür stieg Alfreds Bruder Friedrich ein, 1876 nannten Sie das Unternehmen in Gebr. Tapken um. Alfred verließ es wenig später und ging 1878 mit der neuen Firma Alfred Tapken wieder in die Branche zurück, womit es in Düsseldorf nun drei Tapken-Materialwarenhandlungen mit unterschiedlichen Eigentümern gab, bzw. mit dem nahen Elberfeld sogar vier.
Alfreds Unternehmen wurde später verkauft, bestand aber trotz einiger Krisen und Umzügen noch bis Ende der 1980er-Jahre als Alfred Tapken Nachfolger und wurde etwas mehr als 100 Jahre alt.
Gerhard Tapken Sohn überstand in den 1930ern eine Insolvenz, verließ den Carlsplatz nach dem Krieg und konzentrierte sich auf Farben, Lacke und Tapeten. Es war das älteste Geschäft in der Altstadt, nach mehreren Eigentümerwechseln schloss das Unternehmen 2015 nach 187 Jahren endgültig.

Auch das bei Friedrich verbliebene Geschäft Gebr. Tapken, zu dem das obige Foto gehört, bekam später neue Eigentümer. In den 1930er-Jahren überstand es erfolgreich eine Insolvenz und ging in den 1940er-/50er-Jahren vom Carlsplatz nach Bilk, von wo Gerhard Tapken Senior einst weggezogen war. Aus dieser Zeit dürfte auch die Neonreklame stammen, die auf den neuen Geschäftszweck mit Farben und Tapeten hinwies. 2011 schloss das Unternehmen nach fast 140 Jahren.
In den 1990ern entstand in Dortmund ein weiteres Farbengeschäft namens Gebrüder Tapken (in Lizenz oder als Franchise?), das aber vermutlich nicht mehr existiert.

Fotografiert im November 2022.
Quellen: Reichsanzeiger, Handelsregister, Adressbuch Düsseldorf, Düsseldorfer Volksblatt, Adressbuch Elberfeld.

Richard Liebenau in Düsseldorf

„Richard Liebenau“ war ein Druckereibetrieb und Etikettenhersteller, dessen Ursprünge in die 1940er-Jahre zurückreichen. Der Kaufmann Richard Liebenau gründete 1942 das nach ihm benannte Unternehmen und betrieb es bis Mitte der 80er-Jahre. Unter anderen Geschäftsführern bestand die Druckerei noch bis 2010 fort, ehe sie nach fast 70 Jahren geschlossen wurde. Immerhin gibt es aber noch eine alte Webseitelink des letzten Betreibers, die den schönen Schriftzug und das schon in den 50er-Jahren verwendete Logo zeigt. Das Firmenschild stammt schätzungsweise aus den 70er- oder 80er-Jahren.

Vielen Dank an Bianca G. für das schöne Foto! Fotografiert im Dezember 2022.
Quellen: Reichsanzeiger, Handelsregister, Adressbuch Düsseldorf.

Franz Reinhart in Neuss

Fährt man am Neusser Hafen entlang, fällt eine alte Lagerhalle aus Holz mit der verblichenen Aufschrift „Franz Reinhart“ auf. Wozu sie einst diente, ist heute auf den ersten Blick nicht mehr ersichtlich, dabei wurde das Unternehmen vor über 100 Jahren gegründet und war einst durchaus von wirtschaftlicher Bedeutung.

Der Kaufmann Franz Reinhart gründete 1919 im Hafen Neuss ein nach ihm benanntes Einzelunternehmen, das vermutlich schon damals eine Holzhandlung war. 1923 wurde es in eine Aktiengesellschaft namens „Franz Reinhart Holzgroßhandlung AG“ umgewandelt. Reinhart übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrats, während Hermann Müller und Franz Hüster (ihm folgte später Ferdinand Peter) den Vorstand bildeten. Das Unternehmen kam gut durch die schwierigen 20er-Jahre mit jährlichen Umsätzen von ca. 200.000 Reichsmark (ca. 1 Million Euro) und Gewinnen von ca. 20.000 RM p.a., die sich während der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er-Jahre bei sinkenden Umsätzen jedoch in Verluste drehten. Schwierig war wohl auch das Jahr 1929 durch einen 7-wöchigen Sympathiestreik der Arbeiter samt Aussperrungen durch die Firma. Das Unternehmen beteiligte sich an anderen Holzhändlern und hatte eine Tochtergesellschaft in München.
1930 kaufte Franz Reinhart das Unternehmen zurück und wandelte es wieder in eine Einzelgesellschaft um. Wenig später übernahm Franz Reinhart junior das Unternehmen, bis es in den 70er-Jahren an Josef Zehner verpachtet wurde. Die Firma bestand vermutlich bis Ende der 90er-Jahre, das Firmengelände wurde in den 2000er-Jahren von der benachbarten Ölmühle Sels erworben. Bürogebäude usw. stehen nicht mehr, heute ist die ehemalige Lagerhalle für Holz das letzte Überbleibsel.

Fotografiert im Oktober 2022.
Quellen: Reichsanzeiger, Handelsregister, Rhein- und Ruhrzeitung.

A. Kinkel / Schenker & Co. in Wuppertal

Die Transport-Kontor der Rheinisch-Westfälischen Eisen-Industrie A. Kinkel AG, Zweigniederlassung Wuppertal entstand in den 1930er-Jahren als Betriebsstätte des seit 1923 bestehenden Unternehmens mit Hauptsitz in Berlin. Geschäftszweck war die Lagerung und der Transport von Gütern, das Unternehmen hatte aber wesentlich ältere Wurzeln.
Mitte 1876 gründete August Kinkel in Hagen die Firma A. Kinkel (zuvor betrieb er von 1867-75 eine gleichnamige Firma in Dortmund), kurz danach benannte er sie in Transport-Comptoir der Rheinisch-Westfälischen Eisen-Industrie A. Kinkel um. Nach seinem Tod wenige Jahre später übernahm zunächst seine Witwe Therese die Leitung und am Beginn der 90er-Jahre (der Sohn?) Albrecht Kinkel, der die Firma mit zahlreichen Niederlassungen im Deutschen Reich vergrößerte. 1923 gründete Kinkel mit anderen Gesellschaftern die obige Aktiengesellschaft in Berlin (dabei wurde Comptoir zu Kontor), brachte das bisherige Unternehmen ein und saß bis zu seinem Tod im Jahr 1930 im Aufsichtsrat.
Eine Niederlassung in Wuppertal (Elberfeld bzw. später Barmen) gab es schon vor den 30er-Jahren, der rechtliche Status als Zweigniederlassung brachte aber erweitere Kompetenzen im weit von der Zentrale entfernten Geschäftsgebiet mit sich. 1959 wurde das Unternehmen in die Schenker & Co. GmbH integriert und hörte nach 83 Jahren auf zu bestehen.

Die Schenker & Co. GmbH, Zweigniederlassung Wuppertal bestand von den 1930er- bis in die 80er-Jahre und gehörte zur gleichnamigen Berliner Gesellschaft, welche sich auf das von Gottfried Schenker in den 1870er-Jahren gegründete Unternehmen zurückführte. 1931 wurde es von der Deutschen Reichsbahn gekauft und ist heute Teil der Deutschen Bahn.

Seit Beginn der 1930er-Jahre hatten beide Zweigniederlassungen die gleiche Anschrift, zunächst nahe dem Güterbahnhof Oberbarmen, später am Güterbahnhof Unterbarmen. Das wird auch in der bündigen Wandreklame deutlich, vermutlich hatte Schenker schon damals eine wesentliche Beteiligung am Transport-Kontor.
Das Unternehmen Kinkel wurde etwa Mitte der 1950er-Jahre in eine GmbH umgewandelt, während die Werbung noch von der AG spricht. Damit lässt sich die Entstehung auf den Zeitraum zwischen den 30er- und den 50er-Jahren eingrenzen, also vor über 70 Jahren.

Fotografiert im Dezember 2022.
Quellen: Reichsanzeiger, Handelsregister, Adressbuch Wuppertal.